Mehr Freiheit mit der Hundepfeife  

Die Hundepfeife – einfache Kommunikation ohne Schreierei 📢

Welcher Hund liebt keinen Freilauf? Damit euer Hund seinen Freilauf richtig genießen kann, sollte er sich sicher abrufen lassen, bevor ihr ihn von der Leine lasst. Ist der Rückruf noch nicht aufgebaut, solltet ihr lieber noch eine Weile üben und eure Gassirunden zum Beispiel an der Schleppleine machen.

Der sichere Rückruf ist zwar wichtig, doch es gibt noch mehr, was man für ein sicheres Hundeleben trainieren kann.
Was viele Hundehalter nicht wissen ist, dass ein immer abrufbares „Platz“ auch auf Entfernung das wichtigste Kommando für die Sicherheit des Hundes ist. Warum erfahrt ihr hier in diesem Artikel.

Eine Hundepfeife ist ein einfaches Hilfsmittel, um mit dem Hund auch auf größere Entfernung kommunizieren zu können. Außerdem nimmt sie wenig Platz weg und klingt immer genau gleich. Emotionen, die ihr mit eurer Stimme übertragen könntet, spielen keine Rolle.

Warum sage ich das mit den Emotionen in der Stimme?
Stellt euch vor ihr seid in einer Situation, in der ihr den Hund zu euch zurückrufen wollt, ängstlich, angespannt, aufgeregt, sauer, panisch oder sonst was.
Der Hund merkt natürlich diese Emotionen sofort und wird evtl. deshalb das Kommando lieber nicht befolgen.

Wie verhaltet ihr euch den selber, wenn euch jemand mit zorniger Stimme ruft? Ihr werdet das bestimmt auch überhören und lieber eine andere Richtung einschlagen. Wenn nicht, dann lernt von eurem Hund. 😉


Arten von Hundepfeifen

Hier gibt es Auswahl ohne Ende. Pfeifen aus Metall, aus Horn oder aus Kunststoff in allen möglichen Farben. Auch bei den Tönen gibt es einige Varianten. Mit und ohne Triller, Doppelton, Einzelton und sogar lautlose, für Menschen nicht zu hörende, um mal die verbreitetsten Arten zu nennen. Man hat also die sprichwörtliche Qual der Wahl. Ich persönlich liebe die Kunststoff-Pfeifen von ACME. Dieser bekannte Hersteller ist seit 1870 am Markt.

Die Pfeifen von ACME bekommt man in verschiedenen Frequenzen (Tonhöhen). Man kann sich also mehrere Pfeifen anschaffen und bekommt garantiert immer die gleiche Frequenz geliefert.

Achtet aber unbedingt darauf euren Hund nur auf eine Frequenz zu trainieren. Der Hund kann die Frequenzen nämlich ausgezeichnet unterscheiden und wird bei einer anderen Frequenz nicht so gut reagieren wie auf seiner gewohnten Trainings-Frequenz.


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Was sollte man beim Kauf einer Hundepfeife beachten?

Da gibt es ganz unterschiedliche Kriterien. Seid ihr öfter mit Hundekumpels unterwegs, ist es vielleicht sinnvoll sich abzusprechen, damit nicht jeder die gleiche Pfeife oder Frequenz verwendet. Das Gleiche gilt, wenn ihr sportlich in einem Hundeverein aktiv seid. Da ist es bestimmt blöd, wenn plötzlich alle anwesenden Hunde zu einem kommen, wenn man pfeift. 😂
So etwas in der Art haben wir einmal selbst erlebt.

Wandert ihr viel und haltet euch viel in Wald und Feldern auf ist zum Beispiel grün nicht die optimale Farbwahl. Es sei denn ihr habt euren Hund als Spürhund ausgebildet und er beherrscht die verloren Suche falls euch die Pfeife einmal runterfällt.

Wollt ihr die Pfeife verwenden ohne in einem Verein oder einer Organisation zu sein, habt ihr eigentlich die freie Wahl, was eure Hundepfeife angeht.

Alle anderen sollten sich vor dem Kauf informieren, ob es Satzungen oder Regeln gibt, die eine bestimmte Pfeife zu einem bestimmten Zweck vorschreiben.


Unsere eigenen Erfahrungen mit der Hundepfeife

Wir hatten einmal ein ziemlich lustiges Erlebnis. Eddy hatte den Rückruf per Pfeife schon gelernt und wir waren in einem ziemlich weitläufigen (ehemaliger Truppenübungsplatz) Gebiet unterwegs. Dort haben wir eine Hundehalterin getroffen, mit deren Hündin sich Eddy gut verstanden hat. Wir haben die beiden zusammen spielen und rennen lassen. Das Gebiet war ziemlich groß und bestand zum größten Teil aus Wiesen, Bäumen und Büschen. Die beiden haben das ziemlich ausgenutzt und waren irgendwann nicht mehr zu sehen.
Das war natürlich die perfekte Gelegenheit, die Pfeife zu testen.
Ein Pfiff und Eddy kam mit 4 weiteren Hunden, die er unterwegs aufgesammelt hat, angeschossen. Das war irgendwie eine absolut witzige Situation.


So sieht ein freudiger Rückruf mit der Hundepfeife aus. Eddy kommt mit Vollgas gerannt.
Eddy reagiert freudig auf das Rückrufsignal


Wie baut man einen sicheren Rückruf mit der Hundepfeife auf?

Der Einstieg

Setzt euch hier auf keinen Fall unter Stress und lasst euch genug Zeit mit dem Training. Ein sicherer Rückruf ist kein Kommando, das man mal schnell nebenher aufbauen kann.

Geduld und ständiges Training in kurzen Einheiten ist hier der Schlüssel zum Erfolg.

Als Erstes müsst, ihr euch überlegen welche Kommandos ihr mit welchem Ton verknüpfen wollt und müsst auch lernen richtig zu Pfeifen. Eine gute Pfeife erzeugt eigentlich immer einen gleichbleibenden Ton. Doch ihr solltet trotzdem versuchen immer in der gleichen Stärke in die Pfeife zu blasen. Auch die Länge der Töne sollten ihr immer gleich lang lassen.

Soll zum Beispiel euer Rückrufsignal aus zwei kurzen Pfiffen bestehen, muss das immer gleich klingen. Das hört sich jetzt einfacher an als es ist. Pfeifen üben ist der erste Schritt und keine Spielerei.

Das bedeutet jetzt natürlich nicht, dass ihr stundenlang pfeifen sollt. Aber mal ein paar Minuten probieren wie die Pfeife sich verhält, wenn man stärker und schwächer hineinbläst sind empfehlenswert. Da könnt ihr auch direkt testen, welche Signale euch am besten gefallen. Seid kreativ. Einzelpfiff, Doppelpfiff, kurz-kurz-lang, man hat viele Möglichkeiten sein eigenes Signal zu finden, dass nicht jeder hat.


Üben zu Hause

Hier erkläre ich mal wie ich den Rückruf mit dem Signal kurz-kurz aufgebaut habe. Eddy kannte schon das gerufene Kommando „Hier“.
Am Anfang habe ich nur in den eigenen vier Wänden geübt. Gute Leckerlies in der rechten Hand, die Hundepfeife in der linken Hand und Eddy im Nebenraum.

Eddy mit „Hier“ gerufen, sofort die Pfeife in den Mund gesteckt und wenn er kurz vor mir war, das Signal kurz-kurz gepfiffen und direkt mit den Leckerlies bestätigt.

Das Ganze habe ich mehrmals am Tag gemacht. Immer so 3-4 Durchgänge dann Pause. Nach ein paar Tagen wurde das gerufene „Hier“ weggelassen.

Das Prinzip hat Eddy extrem schnell verstanden. Das war eigentlich schon am ersten Tag drin. Doch die Kunst besteht ja darin, dass man den Rückruf möglichst in jeder Situation sicher abrufen kann.

Hier darf man sich nicht in falscher Sicherheit wiegen. Was in den eigenen vier Wänden ohne Ablenkung prima funktioniert, sieht in der freien Wildbahn mit ihren Reizen ganz anders aus.


Erste Übungen im freien

Wenn der Rückruf zu Hause gut klappt, kann man im nächsten Schritt draußen mit der Schleppleine trainieren. Am Anfang zuerst in einer Umgebung mit wenig Ablenkung. Versucht am Anfang des Trainings nie euren Hund abzurufen, wenn ihr euch nicht sicher seid, ob er auch sofort kommt.
Wenn euer Hund etwa sehr intensiv am Schnüffeln ist, lasst ihn schnüffeln. Ein Abruf aus so einer Situation gehört in das fortgeschrittene Training.

Wenn das Training in ablenkungsfreier Umgebung gut klappt, könnt ihr hier auch schon mal ohne Leine üben. Falls ihr unsicher seid, macht diese Übungen auf einem eingezäunten Gelände.

Jetzt heißt es immer fleißig üben und langsam die Leckerchen abbauen. Ich mache es so, dass ich beim täglichen Gassigehen immer wieder Übungen einbaue bei denen auch mal mit Leckerlies belohnt wird. Das mache ich mit allen Kommandos so.


Rückruf aus der Ablenkung

Das ist die Königsdisziplin mit der Hundepfeife. Ihr habt jetzt schon eine ganze Weile den Rückruf ohne Ablenkung trainiert. Prima. Dann wird es Zeit für den nächsten Schritt.

Ihr fangt in einer Umgebung mit wenig Ablenkung an und belohnt diesmal mit dem absoluten Lieblingsleckerchen von eurem Hund.

Dann geht ihr ganz normal Gassi. Jetzt könnt ihr euren Hund mal zurückrufen, wenn er am Schnüffeln ist oder etwas anderes interessantes macht. Vorher muss er aber ein paar Mal den Super-Jackpot beim Rückruf bekommen haben.
Wenn er jetzt (hoffentlich) auch kommt, gibt es natürlich auch den Super-Jackpot und viel Lob.

Klappt diese Übung nicht, wiederholt es nicht und übt noch eine Weile ohne Ablenkung weiter.


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Mit der Hundepfeife kann man auch das Kommando "Platz" auf Entfernung trainieren.
Platz ist oft sicherer als ein Rückruf


Gefahren beim Rückruf und die Alternative

Ich hatte am Anfang ja schon darauf hingewiesen, dass der Rückruf nicht in jeder Situation das richtige Kommando ist.

Stellt euch vor, zwischen euch und dem Hund liegt eine befahrene Straße, oder auf einem Feldweg kommt ein Radfahrer. Der Hund führt den Rückruf aus und rennt direkt ins nächste Auto oder Fahrrad.
Nicht so gut, oder?

Als Alternative ist das Kommando „Platz“ perfekt geeignet. Beherrscht euer Hund „Platz“ auf Entfernung könnt ihr ihn in kritischen Situationen so ziemlich gut schützen.

Der Aufbau des „Platz“ auf Entfernung ist vom Training viel anspruchsvoller als der Rückruf. Auf die Entfernung kann man nämlich nicht mehr mit Leckerlies bestätigen.

Beim Aufbau in kleinen Schritten wird zunächst das „Platz“ in der Nähe mit einem Signal verknüpft und dann der Abstand zwischen dem Hund schrittweise vergrößert. Hier müsst ihr unbedingt darauf achten, dass der Hund das Kommando nicht selbst auflöst und zwischendurch aufsteht.

Richtig aufgebaut habt ihr so eine wirksame „Notbremse“ für euren Vierbeiner.


Noch ein kleiner Trick zum Üben

Das hat jetzt zwar nicht direkt mit dem Thema Hundepfeife zu tun, passt aber trotzdem ganz gut hier dazu.

99 % aller Hundeleinen haben ja den klassischen Karabinerhaken als Verschluss. Den Haken kann man schnappen lassen. Das ergibt dann ein leises Klick-Geräusch.

Ihr könnt euch bestimmt schon denken, was jetzt kommt. 😉 Genau, dieses Geräusch könnt ihr natürlich auch verknüpfen. Bei uns ist es das Signal zum Anleinen. Wenn Eddy das hört, weiß er genau, es geht auf Tour.
Draußen klappt das auch, wenn Eddy nicht zu weit weg ist.
Ich mag es gerne, wenn man Signale verwendet, die nicht jeder mitbekommt.

2 Gedanken zu „Mehr Freiheit mit der Hundepfeife  “

  1. Die Story über die 4 Hunde, die mit Eddy angerannt kamen, ist wirklich lustig :)) Ich habe vor einigen Wochen tatsächlich auch eine Hundepfeife angeschafft, aber aus einem anderen Grund. Den Rückruf baue ich gerne wörtlich auf, so mit freudiger Stimme. Das hat bei allen Hunden immer gut geklappt und sie kommen ganz flott, wenn ich sie rufe. Aber: Sind wir in Frankreich am Atlantik und es windet, muss ich je nach Windrichtung brüllen, damit die Hunde mich hören. Also habe ich nun einen zweiten Rückruf mit Pfiff aufgebaut inklusive Super-Leckerli. Klappt sehr gut – bei meiner Hündin. Mein Rüde reagiert darauf gar nicht. Macht aber nichts, denn er läuft eh nicht weit vor :))

  2. Hi Marion, an der Küste gegen den Wind anzukommen, ist natürlich eine Aufgabe. Die Story mit den 4 Hunden habe ich damals zum Glück in unserem Hundetagebuch aufgeschrieben. Da hole ich mir immer Ideen für die Beiträge. Es ist immer sehr interessant in den alten Erinnerungen zu lesen.
    Viele Grüße
    Alex 🐾

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