100 % malifiziert, Leben mit einem Malinois

Der Malinois und wie ich diese Rasse lieben lernte

Hundeblogger, dazu noch leidenschaftlicher Malinois Halter und kein einziger Beitrag über Belgische Schäferhunde?

Das ist ein untragbarer Zustand und wird hiermit endlich geändert.

Ich bin so mit dieser Rasse verbunden, dass ich eigentlich täglich etwas darüber zu schreiben hätte.

Doch irgendwie sind mir bis jetzt immer andere Ideen dazwischengekommen.

Aber keine Angst über Malinois wird hier noch viel mehr kommen als dieser Beitrag.


Bevor es losgeht, möchte ich noch darauf hinweisen, dass dieser Beitrag keine Werbung für den Malinois ist und ich damit auf keinen Fall erreichen möchte, dass noch mehr Malinois gekauft werden.

Es ist leider wirklich traurige Realität, dass sich Leute mit komplett falschen Vorstellungen einen Malinois Welpen holen und der heranwachsende Hund ein halbes Jahr später im Tierheim sitzt.


Malinois sind für mich die tollsten Hunde, die es gibt. Doch man muss absolut für diese Rasse brennen und 100 % dahinterstehen.

Keine Kompromisse, keine halben Sachen, Malinois sind eine Lebenseinstellung.


Der Ruf von Belgischen Schäferhunden

Der Belgische Schäferhund ist so ein Kandidat, vor dem immer gewarnt wird.

  • Schwer zu erziehen
  • Kann nicht alleine bleiben, ohne die komplette Wohnung zu zerlegen
  • Benötigt rund um die Uhr Beschäftigung, um nicht durchzudrehen.
  • Nicht als Anfängerhund geeignet
  • Kann nur als Sport- oder Diensthund geführt werden
  • Muss unbedingt Schutzdienst machen

Doch ist es wirklich so?

Dazu werde ich euch hier einiges aus eigener Erfahrung berichten und euch erzählen, wie Malinois im realen täglichen Leben sind.

Echtes Hundeleben ist viel interessanter und spannender als Stammtischgeschichten.


Der Malinois ist kein Hund für jedermann

Der Malinois (das ist die kurzhaarige Varietät des Belgischen Schäferhundes) ist zu 100 % kein Hund für jedermann.
Und mit jedermann schließe ich auch Leute ein, die schon über jahrelange Erfahrung mit anderen Hunden besitzen. Selbst 20 Jahre Erfahrungen mit Deutschen Schäferhunden bringen einem als Malinois Halter eigentlich nichts.

Der Unterschied zwischen diesen beiden Rassen ist wie Tag und Nacht.

Was beim Deutschen Schäferhund prima funktioniert, kann beim Malinois genau das falsche sein.

Malis haben im Gegensatz zu den Deutschen Schäferhunden ein deutlich dünneres Nervenkostüm. Bei der Ausbildung ist Konsequenz ohne übertriebene Härte sehr wichtig.

Das einzige, was eine jahrelange Erfahrung mit anderen Hunderassen bringt, ist die hoffentlich vorhandene positive Einstellung gegenüber dem Lebewesen Hund.

Um einem Malinois gerecht zu werden, muss man hundertprozentig zu seinem Hund und seinen Eigenschaften stehen, diese zu deuten wissen und sie auch akzeptieren.

Ein Malinois ist kein Hund, den man einfach so nebenbei hält. Einen Malinois lebt man.

Malifiziert ist genau der richtige Ausdruck für den perfekten Mali Halter.

Noch ein wichtiger Zusatz von mir. Ich halte nichts von sogenannten „Anfängerhunden“. Meine Aussage, dass der Malinois kein Hund für jedermann ist, bedeutet nicht, dass er nicht als der „Erste Hund“ geeignet ist.

Das habe ich in meinem Beitrag über „Anfängerhunde“ ausführlich erklärt.


Leben mit einem Malinois. Ein starkes Team aus Mensch und Hund.
Leben als Team


So ist der Malinois in mein Leben gekommen

Jetzt erzähle ich euch mal meinen Weg zum (eigenen) Malinois.

Als Kind und Jugendlicher hatte ich leider nie einen eigenen Hund. Aber in unserem Bekanntenkreis gab es viele Deutsche Schäferhunde, mit denen ich immer, wenn es möglich war, gerne unterwegs war.

Am besten kann ich mich noch an die Schäferhündin Asta erinnern.

Der habe ich als Kind mit Backerbsen ein paar kleine Tricks wie Pfote geben usw. beigebracht.

Doch leider konnten wir Wohnungs- und Wohnort bedingt nie einen eigenen Hund halten. Ein kleiner Hund wäre wohl möglich gewesen, doch mein Herz hat schon immer für Schäferhunde geschlagen.


Jetzt machen wir mal einen ganz großen Sprung in die spätere Zukunft, ins Jahr 2012.

Ich bin inzwischen 42 Jahre und habe immer noch keinen Hund.

Der Wunsch ist aber nach wie vor vorhanden und die Wohnsituation eigentlich fast perfekt um einen Hund zu halten.

Durch unser Hobby, Geocaching haben wir zufällig Leute aus der direkten Nachbarschaft kennengelernt.

Sie hatten drei Hunde.

Zwei Malinois und eine Spanische Dogge.

Wir wussten das erst nicht und haben das beim ersten gemeinsamen Geocachen erfreut festgestellt. Die Hunde waren interessanterweise sofort in uns vernarrt.


Malinois Leo mit seinem Lieblingsball.
Leo und sein Lieblingsball

Zwischen Malinois Leo und mir war es Liebe auf den ersten (Hunde)Blick.

Ich war sofort malifiziert und das, obwohl ich diese Rasse vorher nur aus Erzählungen kannte.

Beim ersten Treffen wusste ich noch nicht mal, dass Leo ein Malinois ist. Ich dachte, er ist irgendwie eine Art Schäferhund.

Ich habe ihn aber trotzdem sofort sehr gemocht.

Das zeigt, dass die Rasse vollkommen egal ist, wenn Hund und Mensch sich gefunden haben und zusammen passen.

Dieses zufällige Kennenlernen hat mich also rein zufällig zum absoluten Malinois Fan gemacht und sogar mein komplettes Leben extrem verändert.

Da hat es das Schicksal gut gemeint.

Vielen Dank, lieber Leo, dir habe ich verdammt viel zu verdanken. (Dazu kommt irgendwann mal mehr…)


Hundehalter ohne eigenen Hund

Die Spanische Dogge Lissy hat bei diesem Geocaching Spaziergang ihr Herz direkt an Sonja vergeben.

Das Ganze ist direkt beim ersten gemeinsamen Treffen gewesen.

Uns wurde im Laufe des Tages gesagt, dass wir gerne mal mit den Hunden Gassi gehen können, wenn wir dazu Lust hätten.

Da haben wir natürlich sofort Ja gesagt.

Die erste Runde mit den beiden Hunden alleine war schon einen Tag später. Das war absolut super. Wir hatten ab da jederzeit Zugang zu den Hunden und haben diese mindestens 1 x täglich abgeholt.

So wurden wir praktisch über Nacht zu Hundehaltern ohne eigene Hunde.


Meine Erfahrung mit Malinois war zu diesem Zeitpunkt gleich null.
Aber ich habe mich direkt in diese durchgeknallte Rasse verliebt und auch viel von den Haltern, die aktive Hundesportler waren, gelernt.

Malinois sind schon ziemlich speziell, das werde ich euch in diesem Artikel noch näher erklären.

Man muss die Rasse lieben und dafür brennen.

Sonst wird es nichts. Das kann ich euch garantieren.

Blind einen Malinois anzuschaffen, ohne jemals selbst einen erlebt zu haben, ist mit ziemlicher Sicherheit zum Scheitern verurteilt.

In meinem Fall, wo ich mich direkt beim ersten Treffen absolut in diese Rasse verliebt habe, ist das eine ganz andere, vermutlich auch einzigartige Geschichte.


Ohne die Halter und ihr ganzes Wissen um diese tollen Hunde wäre ich niemals zu dieser Rasse gekommen.

Ich hatte mir Hundehaltung immer ganz anders vorgestellt.

Meine naive Vorstellung war, dass man sich einfach einen Hund holt, der einem gefällt und ab dann halt Hundehalter ist und ein tolles Leben mit seinem neuen besten Freund hat.

Zum Glück habe ich das nicht gemacht. Inzwischen weiß ich das mehr dazugehört ein guter Hundehalter zu sein.
Besonders wenn es um Gebrauchshunde geht.



Malinois Eddy mit 8 Monaten
Da war Eddy gerade mal 8 Monate alt

Mittlerweile (also 10 Jahre später) kenne ich weit über 20 Malinois, habe selbst einen eigenen (seit 2014) und einen als festen Partner bei der Arbeit.

Obwohl die ganzen Hunde alle ihr eigenes Wesen haben, bestehen bei den ganzen Malis, die ich so kenne, auch sehr viele Gemeinsamkeiten.


Was zeichnet einen typischen Malinois aus?

Alle gemeinsam haben sie die typische Mali-Meise.

Das ist schwer zu erklären. Jeder Mali-Halter wird aber sofort wissen, was ich damit meine.

Ein „normaler“ Hund überlegt zum Beispiel, bevor er eine Aktion startet.

Nicht so der Malinois, der startet gerne Aktionen, ohne vorher zu überlegen.

Zum Glück geht das aber in der Regel immer irgendwie gut.


Wenn man seinen Mali kennt, kann man sofort an seinem Blick erkennen, wenn er einen „Plan“ hat.

Wenn sich ein Malinois etwas in den Kopf gesetzt hat, wird er es auch durchziehen, auch wenn es Aussichtslos scheint.

Zum Beispiel ein Ball, der hoch in einem Baum hängt.

Ein x-beliebiger Hund wird diesen Ball zwar wahrnehmen, aber nicht weiter beachten und weitergehen.

Hat aber ein Malinois so einen Ball auf seinem Schirm wird er versuchen irgendwie an diesen Ball heranzukommen. Dabei hat er viel Geduld und gibt nicht einfach auf, falls es nicht klappt.

Das er es irgendwie schafft, an den Ball zu kommen, ist ziemlich wahrscheinlich.

Sollte er es aber nicht schaffen und die Versuche an den Ball zu kommen aufgeben, was eher unwahrscheinlich ist, wird dieser ausdauernd verbellt.

Trieb macht doof. An dem Spruch ist wirklich etwas Wahres dran.

Aufgeben ist für einen Malinois keine Option.


Malis spielen auch sehr Maulaktiv.

Maulaktiv hat nichts mit Aggression oder beißen zu tun, auch wenn ein Mali gerne mal an einem Finger oder gleich an der ganzen Hand zieht. Mit seinem Maul natürlich.

Die haben ihre Kraft unter Kontrolle und können das sehr feinfühlig steuern. Zergeln mit allen möglichen Gegenständen macht jedem Mali Spaß.

Habt ihr schon mal einen Hund gesehen, der mit einer kompletten Regentonne durch den Garten rennt?

Oder der einfach so einen Autoreifen waagrecht im Maul hält und damit herumrennt als wäre es ein kleines leichtes Spielzeug?

Das ist Mali-Wahnsinn.

NorMALItät sieht anders aus. 😂

Da könnte man unendlich weiter erzählen. Malis machen jeden Blödsinn mit.


Hund auf dem Esstisch
Statt erzieherisch einzugreifen, habe ich lieber ein Foto gemacht. Glaubt sonst ja niemand.


Malis lernen schnell

Wenn man ihnen zum Spaß mal etwas Blödes zeigt, finden die es natürlich ganz toll und machen begeistert mit. Auch ohne zu fragen.

Da sollte man vorher gut überlegen.

Schnell hat der Hund sonst etwas gelernt, was er eigentlich überhaupt nicht machen soll.

Ich hatte mal die komplett dämliche Idee Eddy beizubringen Basecaps vom Kopf zu holen.

Das hat er auch schnell kapiert.

Nur als er dann beim Gassigehen bei Leuten mit Basecap erst zu mir geschaut (so nach dem Motto, Papa, darf ich?) und dann die Basecap ins Visier genommen hat, wusste ich, dass es eine saublöde Idee war so einen Mist aus Spaß zu trainieren.

Zum Glück war, das noch nicht so verinnerlicht, dass man das einfach wieder aus seinem Kopf löschen konnte.

Ich habe es einfach nie wieder gemacht. Wenn er Leute mit Basecap anschaute, reichte es aus ein paar Mal „Nein“ zu sagen und das Thema war vom Tisch.

Also vorher gut überlegen, was man seinem Hund beibringt. Hunde machen das, was sie gezeigt bekommen.

Zeigt man ihnen Blödsinn, machen sie auch Blödsinn. Das ist dann aber die Schuld des Halters!


Verschmuste Chaoten mit Fell

Malinois haben noch weitere Eigenschaften. Sie sind noch verschmuster als Katzen. Das war auch etwas, das ich nie gedacht hätte.

Auch auf dem Schoß machen sie es sich gerne mal bequem, wenn man sie lässt.


Hund schleckt Sunny durchs Gesicht.
Begrüßung auf Mali Art

Da fällt mir noch ein Highlight von absolutem Mali-Wahnsinn ein. 😂

Wir haben mit Eddy einen Mantrailing Kurs besucht.

Da hatte er ganz schnell gefallen daran gefunden. Suchen ist etwas, das Eddy absolut liebt.

Es wurde immer an unterschiedlichen Orten und immer mit neuen „Opfern“ trainiert, die von den Hunden gefunden werden mussten.

Eine dieser Übungen führte am Ende zu einer Grillhütte. Die Grillhütte war aus Holz. Es gab einen Eingang und mehrere Fensteröffnungen.

Eddy hat sehr zielstrebig diese Hütte angesteuert.

Doch statt durch die Tür zu gehen, hat Eddy den direkten Weg durch die Fensteröffnung genommen, unter der sich das „Opfer“ versteckt hatte.


Eine andere Übungssituation war in einem Parkhaus.

Wir haben mehrere Etagen abgesucht. Das „Opfer“ hatte sich an einer Rampe unter einer großen Runden Öffnung versteckt.

Da hat Eddy auch die Abkürzung durch diese Runde Öffnung genommen.


Das Eddys Nase perfekt funktioniert, hat er mir auch bewiesen.

Normal weiß man vorher nicht, wo die „Opfer“ sich verstecken. Doch bei einer Übung haben wir uns vorher mal abgesprochen.

Wir sind zur vereinbarten Zeit an den Startpunkt gekommen, haben die Geruchsprobe gefunden und Eddy auf die Spur angesetzt.

Eddy ist auch genau den Weg gegangen, den ich vermutet habe.

Doch plötzlich ist er meiner Meinung nach falsch abgebogen. Ich habe ihn dann in die Richtung gedrängt, wo die „Opfer“ der Absprache nach eigentlich sein sollten.

Doch Eddy wollte nicht in diese Richtung.
Ich dachte nur, Mist, scheinbar ist er doch kein so guter Mantrailer wie ich es dachte.

Eddy hat dann also seinen Willen bekommen und ich bin gefrustet hinterher.

Und was soll ich sagen, Eddy hatte recht. Die „Opfer“ haben sich nämlich absichtlich woanders versteckt.

„Du kannst deinem Hund absolut vertrauen, wenn er auf der Spur ist“, diese Worte habe ich hinterher leicht verschämt zur Kenntnis genommen.

Mein falsches Abbiegen wurde nämlich beobachtet.

Sorry Eddy, dass ich an deiner Nase gezweifelt habe, kommt nicht mehr vor, versprochen.


Wie ist das mit der Auslastung?

Malinois sind keine Hunde, die den ganzen Tag nur faul vor der Couch liegen und nur mal kurz zum Gassigehen vor die Tür wollen.

Sie brauchen schon einen aktiven Halter, der viel mit ihnen unternimmt.

Langweiler, die niemals aus dem Haus gehen und selbst kleinste Strecken grundsätzlich mit dem Auto zurücklegen, sind als potenzielle Mali Halter nicht geeignet.


Es ist aber nicht zwingend nötig, dass man dreimal die Woche auf den Hundeplatz muss, um Schutzdienst zu machen.

Auch ohne Verein mit festen Übungszeiten bekommt man seinen Malinois ausgelastet.

Zu viel Auslastung ist übrigens auch nicht gut. Auch Ruhepausen gehören dazu, um einen ausgeglichenen Hund zu haben.

Lieber etwas weniger als zu viel trainieren ist oft die bessere Entscheidung.


Die ganzen Dinge, die in den Vereinen trainiert werden, kann man auch alleine oder zusammen mit anderen Hundefreunden machen.

So ist man an keine festen Zeiten gebunden.

Besonders wenn man im Schichtdienst arbeitet, ist es kaum möglich ernsthafte Vereinsarbeit zu leisten.

Ich übe mit Eddy sehr viel und das schon lange ohne Verein.
Auch bei den normalen Gassirunden kann man spannende und lehrreiche Übungen einbauen.

Da verliere ich doch manchmal unterwegs glatt meinen Autoschlüssel.

Für Eddy ein Kinderspiel. Dazu noch Spaß und Auslastung gleichzeitig.

Wenn man kreativ ist, kann man mit seinem Malinois ein tolles Leben führen.

Bei uns gibt es ganz selten langweilige Tage.

Das einzige, was uns ausbremsen kann, sind Krankheits oder verletzungsbedingte Pausen, wenn es wirklich nicht anders geht.


Der Beitrag ist jetzt länger geworden als ich dachte. Ich zwinge mich jetzt mal, hier fürs erste Schluss zu machen.

Das wird sonst ein Fass ohne Boden.
Es soll ja nur ein Blogbeitrag und kein Buch sein. 😃


Ihr hört bald wieder von uns.

Alex 📝 und Eddy 🐾



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