Barfen Pro und Contra

Das solltest du wissen, wenn dich das Thema Barfen für Hunde interessiert

Dieser Artikel ist dazu gedacht, einen kleinen Einblick in das Thema Barfen für Hunde zu geben. Hier erfährst du, was dich beim Barfen erwartet und ob diese Art der Fütterung das Richtige für dich und deinen Hund ist.


Was ist Barfen?

Barfen ist eine spezielle Art seinen Hund zu 🦴 ernähren (man kann auch Katzen 🐱 Barfen). Die vier Buchstaben von Barf stehen für die englischen Wörter „Born Again Raw Feeders“, was auf Deutsch wörtlich übersetzt so viel wie „Wiedergeborene Rohfütterer“ bedeutet.
Die Bezeichnung Barf geht auf die Kanadierin Debbie Tripp zurück.
In Deutschland wurde Barfen in den 90er-Jahren vor allem durch Swanie Simon populär. In Deutschland hat sich für Barf die Umschreibung „Biologisch Artgerechtes Rohes Futter“ durchgesetzt.
Beim Barfen wird übrigens nicht nur rohes Fleisch verfüttert. Es geht vielmehr um die richtige Mischung aus verschiedenen frischen, rohen Zutaten.
Würde man ausschließlich rohes Fleisch verfüttern, wären die langfristigen Folgen eine Mangelernährung des Hundes.

Was ist der Unterschied zu Fertigfutter?

Der größte Unterschied zwischen Barfen und Fertigfutter ist die individuelle Zubereitung. Fertigfutter bekommt man als Alleinfuttermittel zum sofortigen Verzehr fertig gemischt.

Theoretisch ist in einem Alleinfuttermittel alles enthalten, was ein Hund zu seiner Ernährung benötigt. Man hat darauf aber keinen Einfluss und muss den Angaben auf dem Futteretikett vertrauen.

Beim Barfen hat man die komplette Kontrolle, was der Hund in seinen Napf bekommt. Die Qualität des Futters hat man also selbst in der Hand.

Vorteile

  • Absolute Kontrolle über die einzelnen Futterbestandteile.
  • Steuerung von Energie-, Fett-, Proteingehalt.
  • Komplett auf die eigenen Bedürfnisse seines Hundes anpassbar.

Nachteile

  • Gesundheitsschädliche Fehler bei falscher Zusammensetzung sind möglich.
  • Man muss sich umfangreiches Wissen aneignen.
  • Die Beschaffung von frischem Fleisch und Innereien ist nicht immer einfach.
  • Im Urlaub ist es ziemlich unpraktisch.
  • Große, oder sogar eine eigene Gefriertruhe nur für das Futter erforderlich.
Barfen ist eine natürliche Art seinen Hund zu ernähren. Hier im Napf befindet sich Muskelfleisch und Blättermagen. Ergänzt wird das ganze noch mit Obst und Gemüse.
Barfration im Napf, Obst und Gemüse kommt noch dazu.

Kann ich einfach mit dem Barfen anfangen?

Nein, das funktioniert auf keinen Fall. Barfen erfordert eine Menge grundlegendes Wissen, um das Futter und alle Zutaten richtig zusammenzustellen.

Man hat hier die komplette Verantwortung für die Gesundheit seines Hundes in der Hand!
Fehler in der Zusammenstellung des Futters können schwere gesundheitliche Probleme beim Hund zur Folge haben.
Bevor man selber mit dem Barfen anfängt, muss man sich zum Futterexperten weiterbilden.
Alternativ kann man am Anfang eine Ernährungsberatung in Anspruch nehmen.
Ernährungsberater oder Ernährungsberaterinnen bieten in der Regel auch Coachings für Barf-Einsteiger an.
Wenn man alle Grundlagen sicher beherrscht, wird die Zusammenstellung der Barf Rationen mit der Zeit und wachsender eigener Erfahrung immer einfacher.
Der Ernährungsberater wird einem in den ersten Wochen jederzeit mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Ist Barfen aufwendig?

Wenn man Barfen mit der Fütterung von Fertigfutter vergleicht, ist es aufwendiger.
Der Mehraufwand fängt bei der Beschaffung an, setzt sich über den Transport (Kühlkette), der einwandfreien hygienischen Zubereitung, der Tiefkühllagerung und schließlich dem richtigen Auftauen zur Fütterung fort.

Es entsteht viel Plastikmüll und ein ziemlicher Reinigungsaufwand, um das Arbeitsumfeld hygienisch einwandfrei zu halten.

Welches Zubehör benötigt man zwingend?

Das wichtigste ist genügend freier Tiefkühlplatz. Hat man einen mittelgroßen Hund, ist ein eigener Gefrierschrank für die Lagerung sinnvoll und in der Regel auch erforderlich.

Für die Einhaltung der Kühlkette benötigt man auch eine große Kühlbox für den Transport mit dem eigenen PKW. Außerdem benötigt man eine Küchenwaage, eine Feinwaage, scharfe Messer, Schneidebretter und natürlich unzählige Vorratsdosen für die einzelnen Futterportionen.

Für die Zubereitung benötigt man einen möglichst großen Tisch.

Das gehört zum Barfen dazu. Tiefgekühltes Fleisch und Innereien. Am besten bereitet man immer die Rationen für 30 Tage zu. Das spart Zeit.
Tiefgekühltes Fleisch und Innereien. Alles muss ausgepackt, geschnitten und abgewogen werden.

Was muss ich bei der Futterumstellung beachten?

Bei der Futterumstellung kann es am Anfang zu Durchfall und Haut- und Fellveränderungen kommen. Das kann entweder sofort oder etwas verzögert auftreten und ist kein Grund zur Sorge.

Die Umstellung von Fertigfutter auf Barfen ist relativ einfach. Gesunde Hunde kann man radikal von heute auf morgen umstellen. Bei empfindlichen Hunden (besonders bei Magen und Darmempfindlichkeit) empfehle ich eine langsame und schonende Umstellung.

So könnte man die Futterumstellung extrem schonend durchführen:

  • Lege vor der Futterumstellung einen Fastentag bei deinem Hund ein.
  • Langsam an die neue Fütterung gewöhnen und die ersten zwei Tage nur leicht verdauliches, am besten gewolftes Muskelfleisch einer Fleischsorte (z.B. Rind) füttern.
  • Im nächsten Schritt weitere Muskelfleischsorten füttern (Pferd, Huhn, Fisch).
  • Wenn der Hund bis jetzt alles gut vertragen hat, kannst du jetzt anfangen Gemüse wie Karotten, Spinat und Obst in das Fleisch zu mischen. Diese pflanzlichen Barf Komponenten solltest du entweder gekocht oder püriert verfüttern, damit der Hund die darin enthaltenen Nährstoffe auch verwenden kann.
  • Jetzt sind wir ca. am Tag 4 der Futterumstellung. Der nächste Schritt ist, Pansen oder Blättermagen in die Ration zu geben.
  • Als nächster Schritt kommen jetzt noch Innereien ins Futter.
  • Der letzte Schritt der Futterumstellung sind die Knochen. Verträgt der Hund keine Knochen, gibt es Alternativen. Knochen bzw. die Alternativen sind ein wichtiger Bestandteil der Barf-Ration und dürfen nicht ausgelassen werden.

Jetzt kann die eigentliche Barf Fütterung mit allem, was dazu gehört, beginnen. Damit der Hund mit allen wichtigen Nährstoffen, Vitaminen und Spurenelementen versorgt wird, benötigt man zusätzlich noch ein paar Nahrungsergänzungsmittel. In der Regel gehören dazu Öle und Mineralpulvermischungen.

Eine Barfration besteht aus der richtigen Zusammensetzung von:

Muskelfleisch, Innereien, Pansen oder Blättermagen, Knochen, Obst und Gemüse und je nach Bedarf aus Nahrungsergänzungsmitteln zur Abdeckung der Mineralstoffe und den Spurenelementen.

Obst und Gemüse gehören in jede Barf Ration. Hier befinden sich schon frische Karotten zum dünsten im Topf.
Gedünstete Karotten für die Barf Ration.

Meine eigenen Erfahrungen mit der Barf Fütterung

Richtig gutes Futter zu finden, ist nicht so einfach, wie es scheint. Trotz eines fast unüberschaubarem Angebot an Hundefutter ist es schwer das beste aus dieser Menge herauszupicken.
Die Deklarationen der Futtermittel Hersteller machen es einem auch nicht leicht daraus die Qualität des Futters abzuleiten.

Wir hatten oft Futter, das lange Zeit von Eddy hervorragend vertragen wurde. Es kam aber immer wieder vor, dass die Hersteller im Laufe der Zeit die Zusammensetzung des Futters abgeändert haben. Aus super gut verträglich, wurde dann plötzlich überhaupt nicht mehr verträglich.

Das hat uns dann dazu bewogen, uns näher mit dem Thema Ernährung zu befassen. Dabei kommt man automatisch auch auf Barfen.

Unser Barf Einstieg

Vom Barfen wussten wir natürlich auch früher schon. Wir haben es aber immer als zu aufwendig gesehen und uns deshalb damit nie weiter auseinandergesetzt.

Jetzt war es an der Zeit, sich ausführlich mit dem Barfen, das ja in der Hundeszene fast in aller Munde oder sagt man aller Maule ist zu befassen.

Informationen besorgen, und Weiterbildung zur Ernährungsberaterin für Hunde

Die erste Anlaufstelle war das Internet, dann kamen diverse Fachbücher und Seminare dazu.

Das Thema hat mich dann so gepackt, dass ich Weiterbildungen zur zertifizierten Ernährungsberaterin für Hunde absolviert habe.

Mit dem neuen Wissen wurde Eddy dann auch eine ganze Weile gebarft.

Wir haben damals radikal von einem auf den anderen Tag umgestellt.


Was hält unser Hund Eddy vom Barfen?

Eddy war sofort begeistert und hat den Napf mit seiner Zunge bis zum letzten Rest leer geputzt.


Magen und Darm technisch hat Eddy das Barfen sofort gut vertragen. Das einzig Auffällige war am Anfang eine Fellveränderung. Das Fell wurde richtig rau und stumpf.
Das ist aber bei einer Futterumstellung eine normale Reaktion. Der Körper reinigt sich auf diese Weise.
Nach ein paar Tagen hat sich das Fell sehr zum positiven verändert. Ich kann das nicht richtig beschreiben. Solltet ihr aber euren Hund auch auf Barf umstellen, werdet ihr merken, was ich meine.
Das Fell fühlt sich einfach toll an.

Ein Hund freut sich über seine erste Barf Fütterung.
Eddy war sofort vom Barfen begeistert.

Spürbare Veränderungen

Am Anfang ist die geringe Futtermenge sehr ungewohnt. Im Vergleich zu Fertigfutter sind die Futtermengen beim Barfen viel kleiner.
Das hat zusätzlich den Effekt, dass beim Gassigehen weniger große Geschäfte anfallen. 💩
Mit Fertigfutter erzeugt Eddy locker 4 Haufen am Tag, die man kaum in die Tüte bekommt. Beim Barfen sind es nur noch 2 Mini Haufen am Tag, die sich dank der höheren Festigkeit auch super einfach eintüten lassen. Der Geruch ist auch deutlich schwächer.

Zeitaufwand

Bei der Zubereitung der ersten Barf Rationen haben wir viel Zeit benötigt.
Man bekommt da aber schnell eine gewisse Routine und es geht mit der Zeit deutlich schneller.
Eine Monatsration mit 60 Dosen kann man in 1 – 1,5 Stunden komplett zubereiten. (Inklusive aller Vorbereitungen und anschließenden Reinigungsarbeiten).

Apfel, Birne, Banane. Beliebtes Obst bei der Barf Fütterung.
Frisches Obst gehört beim Barfen immer mit in den Napf.

Barfen haben wir als einwandfrei verträglich kennengelernt.

Es ist eben mehr Aufwand als Fertigfutter. Einfach mal eine Dose öffnen und den Hund damit zu jeder Zeit füttern können, ist mit Barfen nicht möglich.

Eine Barfration muss vor der Fütterung richtig aufgetaut werden. Auch das benötigt das richtige Zeitmanagement. Es ist nämlich nicht möglich, Barf Rationen aufgetaut zu lagern.

Es ist erforderlich, jede einzelne Mahlzeit in einem bestimmten Zeitfenster aufzutauen und dann sofort zu verfüttern.

Über das richtige Auftauen werde ich einen zusätzlichen Artikel schreiben.

Der Kostenfaktor und kleine Tricks zum Zeitsparen

Barfen ist vom Preis her nicht teurer als hochwertiges fertiges Futter. Wenn man gut im Voraus plant, kann man auch bei der Zubereitung seiner eigenen Mahlzeiten immer gleich einen Teil für den Hund mit zubereiten. Das ist zum Beispiel bei Karotten, Kartoffeln, Spinat usw. hervorragend möglich.
Auch bei Obst kann man so verfahren. Mit solchen kleinen Tricks spart man viel Zeit.



Wenn man sein Futter selbst herstellt, hat man den großen Vorteil, dass man genau weiß, was der Hund in seinem Napf hat.
Die Nachteile relativieren sich mit der Zeit. Sich das nötige Wissen anzueignen, ist nicht so schwer, wie es am Anfang aussieht. Man wächst schnell in die Rolle des eigenen Futterexperten hinein, wenn man das auch will und ein wenig Zeit und Mühe investiert.

Der Umgang mit den Zutaten und die Zubereitung einer Monatsration geht auch schnell in Routine über und benötigt dann deutlich weniger Zeit als am Anfang.

Alternativen, wie erkenne ich ein gutes Futter?

Wenn man sucht, findet man auch gute Futteralternativen. Das kann man nur über probieren rausfinden.
Ich würde zum Testen grundsätzlich nur Nassfutter aussuchen. Immer eine Sorte für eine Woche geben und die Reaktion des Hundes beobachten.
Viele große Gassigänge am Tag bedeuten weitersuchen. Werden die großen Geschäfte deutlich kleiner, hat man ein gutes Futter gefunden.

Bei einem guten Futter muss man auch deutlich weniger füttern, als bei einem Futter mit schlechter Qualität.

Ein 30 kg Hund benötigt bei minderwertigem Futter als Beispiel 1,6 kg Futter am Tag um sein Gewicht zu halten. Der gleiche Hund hält sein Gewicht aber auch mit 800 Gramm Barf oder hochwertigem Futter pro Tag.

Deshalb ist es auch gut möglich, dass Futter, das zunächst ziemlich teuer erscheint, nicht teurer als minderwertiges Futter ist. Das muss man ausrechnen.

Eine weitere Alternative ist es, gutes Futter mit frischen Zutaten zu kombinieren. Dazu werde ich euch hier auch noch einige Ideen liefern.

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